Categories: Deutsch, Patreon, RPG

by Franigo

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Ranger Miniature

Wenn man regelmäßig und in kurzen Abständen spielt, ist es nicht allzu schwierig, die Details einer Rollenspielkampagne im Gedächtnis zu behalten. Aber nicht alle Runden sind so ausgelegt, und selbst wenn, sollten sie länger gehen, kann es weitaus schwieriger werden. Wer viel spielt, kann auch viel vergessen! Deshalb sind gute Zusammenfassungen für die Kontinuität einer Kampagne Gold wert. Es gibt viele Möglichkeiten, wie man sie schreibt, hier stelle ich einige vor, die ich benutze.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur dazu raten, sich Notizen zu machen. In meiner Hubris habe ich das nicht immer getan, weil es in manchen Phasen auch nicht nötig war. Bei meiner längsten Kampagne, die im Mai 1999 begann und noch läuft, haben wir zwischenzeitlich mindesten einmal die Woche gespielt, und ich war so in der Materie drin, dass ich alles im Kopf hatte und wenig aufgeschrieben habe. Jetzt, 20 Jahre später, verfluche ich mein jüngeres Ich für seinen Hochmut …

Die Bibliothek; oder wo schreibt man es nieder?

Zuerst stellt sich immer die Frage, wo man sie führt. Da immer alle Spieler*innen Zugriff darauf haben sollten, ist ein zentraler Ort sinnvoll. Inzwischen gibt es dezidierte Plattformen wie zum Beispiel das Obsidian Portal mit allerlei praktischen Funktionen, aber grundsätzlich reicht auch ein simples GoogleDocs. Da ich recht viele Runden betreue, habe ich mir ein eigenes Wiki nur für diesen Zweck eingerichtet. Die Idee hatte einer meiner Freunde, der für eine Conan-Runde ein Wiki angelegt hat; danach habe ich für größere Kampagnen einzelne Wikis gebastelt, die ich schlussendlich zu einem vereint habe. Hier ein Screenshot vom Beginn unserer The One Ring-Runde, die im Januar 2022 auf 100 Sitzungen kommt:

Screenshot der Zusammenfassung einer The One Ring Runde

Aber bei der Auswahl geht es vor allem darum, dass alle, die sich beteiligen wollen, das einfach können, und die ganze Gruppe Zugriff hat. Wie immer bei Werkzeugen muss man vorher überlegen, ob der Aufwand für das Werkzeug gerechtfertigt ist. Ein eigenes Wiki ist praktisch, macht aber auch viel Arbeit. Obsidian Portal bietet Funktionen, aber benötigt man die, oder kosten sie nur Zeit? Ein WordPress-Blog ist fix eingerichtet, aber können alle mit dem Backend umgehen? Deshalb rate ich zu einfachen Lösungen, denn im Zweifelsfall sind Upgrades oft einfacher als Downgrades.

Die Feder; oder wer schreibt es nieder?

Zuerst stellt sich die Frage, wer die Zusammenfassung führt. Ich übernehme das oft für meine Kampagnen, aber klassisch ist das ein Job für Spieler*innen. Damit es funktioniert, muss es aber regelmäßig geschehen, und das kann durchaus einen Zeitaufwand bedeuten – und kreative Arbeit, die nicht alle leisten wollen oder können. Jede Gruppe wird das selbst ausdiskutieren müssen. Ein gutes Thema für Session Zero.

Im Laufe der Jahre hatten wir alle Konstellationen: Spielleiter*in, einzelne Spieler*innen, alle rundum, eine Auswahl … wichtig ist, dass die Zuständigkeiten geklärt sind.

Über den Stil gilt es auch, sich Gedanken zu machen. Ist es eine Erzählung aus der Welt selbst? Falls ja, wer erzählt? Ein Charakter aus der Gruppe, ein NSC, ein*e nicht näher definierte*r Erzähler*in? Eine nüchterne Mitschrift mag wenig aufregend sein, aber bedeutet auch weniger Aufwand. Da ist die Frage nach dem Sinn angebracht: Geht es lediglich um die Vermittlung von Information? Möchte man die Atmosphäre der Runde einfangen? Oder gar die Welt dahinter vermitteln?

Nicht vergessen, wenn eine Kampagne gut und vor allem lange läuft, gilt es dutzende bis hunderte von Mitschriften zu verfassen. Wenn man sich festlegt, sollte man sich dessen bewusst sein.

Das Epos; oder wie schreibt man es nieder?

Kommen wir zum Kernstück, nämlich der Frage, was geschrieben wird. Grundsätzlich ist eine Zusammenfassung sinnvoll, um die Informationen festzuhalten, die sich im Laufe der Kampagne anhäufen. Das bedeutet, dass man besonders darauf achten sollte, und am besten schon während der Sitzung Notizen macht, um wenig bis nichts zu vergessen. Namen von Personen, Orten, Gegenständen, Zusammenhänge und Beziehungen, vielleicht Pläne für die Zukunft. Eben alles, was bei den nächsten Sitzungen interessant sein könnte.

Eine Rollenspielrunde ist kein Roman. Sie folgt ihren eigenen Spannungsbögen und es ist eher selten, dass sie von außen betrachtet wie eine stringent erzählte Geschichte erscheint. Bei der Zusammenfassung kann man ein wenig tricksen und mit klassischen Erdzählstrukturen arbeiten, aber wenn die Frage ist, Form oder Inhalt, sollte man zum Inhalt tendieren. Denn grundsätzlich geht es ja darum, Informationen festzuhalten. Zudem fehlt es oft an dem, was Literatur packend macht: Figuren, mit denen man mitfiebert. Nicht, weil die Charaktere nicht solche Figuren sein könnten, sondern weil die inneren und äußeren Konflikte, die wir aus der momentanen Literatur kennen, deutlich schwieriger darzustellen sind. Das ist der Grund, warum sich viele Zusammenfassungen und Mitschriften nicht unbedingt spannend lesen.

Dazu kommt, dass sich vieles, was am Spieltisch für Spaß sorgt, nur schwierig umsetzen lässt. Wortwechsel und -spiele, das Durchbrechen der 4. Wand, die Beziehungen der Spieler*innen untereinander (im Gegensatz zu denen ihrer Charaktere) und so weiter. Also alles, was nicht in der Spielwelt selbst stattfindet, aber Teil einer Rollenspielrunde sein kann.

Ein Sonderfall, der oft auf mich zutrifft: Ich als Spielleiter schreibe die Zusammenfassung. Dabei muss ich darauf achten, dass ich nicht mein Wissen mit dem meiner Spieler*innen vermische, sowie nicht meine Vorstellungen zu ihren machen. Zum Beispiel könnten sie sich auf eine Interpretation eingeschossen haben, die meinen Ideen widerspricht; das ist OK, ich muss nur sicherstellen, dass ich ihren Stand wahrheitsgemäß aufschreibe, und nicht mit meinem Wissen kontaminiere.

Als Beispiel biete ich gerne meine Zusammenfassung(en) von Schatten über Ketterdam an. Die kann man auch mit dem Stream vergleichen, um zu sehen, ob ich es ordentlich gemacht habe …

Fazit: Eine Zusammenfassung ist eine gute Unterstützung, gerade bei längeren Kampagnen. Sie kann aber auch ein Zeitfresser sein, deshalb sollte man vorab überlegen, wie sie genau erstellt wird.

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