by Franigo

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Berlin Noir

Am nächsten Abend erwachen die Vier sicher und wohlbehalten. Annie hat alle wachen Stunden mit dem Versuch verbracht, die Karte aus dem Gewölbe unter der Villa zu enträtseln. Sie erklärt den anderen drei, dass sie Kontakt mit Maxwell Ldescu aufgenommen hat. Der hat ihr angeboten, ihre Forschungen in der Bibliothek der sogenannten Chantry der Tremere fortzusetzen. Manni erklärt ihnen, dass die Tremere oft über sehr spezielles Wissen verfügen, und das durchaus vielversprechend sei.

Also trennen sie sich, denn Clan und Haus Tremere lassen nur ihr eigenes Blut in ihre heiligen Hallen. Manni gibt ihnen eine Möglichkeit, ihn über einen toten Briefkasten zu kontaktieren. Und nachdem Lina ihn bedrängt, überlässt er ihnen sogar eine Telefonnummer für den absoluten Notfall. Da gibt es nur ein Problem: Annie nimmt ihr einziges Telefon mit, da sich darauf die Photos von dem Gewölbe befinden.

Späti

Deshalb schlägt Kevin einen abendlichen Einkaufsbummel im Späti vor, und führt sie auch gleich zu einem besonderes heruntergekommen Exemplar. Dort packen sie alles ein, was sie dringend benötigen (Wegwerfhandy, Disney-Sticker), und dann bittet Kevin die anderen beiden, kurz Schmiere zu stehen, als er sich an der Verkäuferin labt. Und sie dann alles vergessen lässt.

Doch er ist nicht der einzige, der mit großem Hunger aufgewacht ist. Die Aufregungen der letzten Nächte haben auch Alex‘ Hunger wachsen lassen, und ihm steht der Sinn nach feinerer Kost. Aber als Kevin mit dem neuen Smartphone ein Uber rufen will, sieht er einen Newsalert: Eltern vermissten Mädchens richten dringenden Appell an die Öffentlichkeit!

Zwar gelingt es Kevin, seine Überraschung halbwegs zu verbergen, aber Lina spürt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Vor allem, als Alex und Kevin sie daran hindern wollen, auf das Handy zu schauen, und allerlei wilde Geschichten erfinden. Doch die beiden schaffen es, die Nachricht vor ihr geheim zu halten. Erst im Uber liest Alex sie heimlich, und erfährt, dass Linas Eltern öffentlich nach ihr suchen.

Essen auf Rädern

Das bereitet ihnen natürlich Sorgen, denn zu all ihren anderen Problemen, kommt nun noch eine Berlin-weite Vermisstensuche hinzu. Lina zu verkleiden, wird auf Dauer wenig Erfolg bringen. Eine längerfristige Lösung muss her. Aber zuerst bringt die Fahrerin sie nach Köpenick zu Jacza und seinen Anarchen. Dort genehmigt sich erst Alex einen Schluck von der Fahrerin, dann Lina, nur um sie danach ebenfalls vergessen zu lassen und die Fahrt in ihrem Gerät zu stornieren. Doch der Blutverlust hat sie sehr geschwächt, und sie sinkt benommen auf dem Fahrersitz zusammen.

Die Adresse der Köpenicker stellt sich als eine alte Kirche heraus, die offensichtlich nicht mehr in Gebrauch ist. Die Pforte vorne ist versiegelt, aber es gibt einen Anbau mit Wohnbereich. Auf dem Weg dorthin wird Kevin immer langsamer, bis er schließlich erklärt, dass er keine Kirche betreten wird. Auf Nachfrage erläutert er, dass er einfach ein sehr schlechtes Gefühl dabei hat … dann ertönt von über ihnen eine Stimme, und sie sehen Raine auf dem Dach, die fragt, ob sie noch länger draußen rumlungern wollen.

Großer Bruder

Mit Mühe gelingt es ihnen, Kevin davon zu überzeugen, ihnen hinein zu folgen, auch wenn sie ihn quasi unter dem Steinkreuz über dem Eingang durch ziehen müssen. Das Innere der Kirche erinnert nur noch durch seine Größe an einen Sakralbau – es ist zu einer Art Mischung aus Treffpunkt, Schlafplatz, Gemeindezentrum und besetztem Haus umgestaltet worden. Dort erwartet sie Jacza, der Lina gleich in seine Arme schließt.

Und sich dann von ihnen ihre Erlebnisse berichten lässt, und Ratschläge gibt. Außerdem bietet er ihnen an, dass sie hier unterkommen könnten, falls das ihr Wunsch sei. Sogar der Ventrue. Alex ist angemessen dankbar. Er erklärt glaubhaft, dass er keine besonderen Motive hat: Er will einfach nur, dass die Kinder der Nacht ihre Wege selbst wählen können, ohne dass alte Organisationen oder uralte Blutsauger ihnen vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben.

Das bringt das Trio dazu, ihm sogar von Nitokris und ihrem Spiegel zu erzählen, was ihn offensichtlich mit Sorge erfüllt. Er hat den Namen sogar schon gehört, aber schon in seinen jungen Jahren war das mehr eine Legende oder gar ein Mythos. Als sie ihn fragen, wann das war, erklärt er ihnen, dass er um die neunhundert Jahre alt ist! Und schon einiges erlebt hat; zum Beispiel hat er beim Konklave von Prag gemeinsam mit anderen Brujah eine ganze Reihe Würdenträger der Camarilla ausgelöscht …

Trotz dieser martialen Geschichtene scheint er Lina gegenüber eine Art Verantwortung zu empfinden. Er erklärt ihnen, dass ihre Familie ein Problem sein wird. Denn Alex, Annie und Kevin können zur Not vortäuschen, noch Sterbliche zu sein, aber Lina hat diese Möglichkeit nicht. Und Eltern lassen ihre Kinder nicht einfach verschwinden. Sein erster Vorschlag scheint zu sein, dieses Problem aus der Welt zu räumen, aber dann bietet er noch eine Option an: Lina könnte ihre Familie mit ihrem Blut an sich binden, sie zu Ghulen machen.

Das ist eine schwierige Entscheidung, aber eine, die früher oder später getroffen werden muss. Denn damit Lina sicher vor der Zweiten Inquisition und ihren Häschern ist, darf nichts darauf hindeuten, dass sie eine Vampirin ist. Dazu führt Jacza aus, dass die Inquisition kein Problem damit hat, Familie und Freunde zu benutzen, um an Vampire zu gelangen, und sie auch zu töten. Es ist für Lina sehr schwer zu verstehen, dass ihr Vater – der Polizist! – sie nicht beschützen kann. Im Gegenteil, sie muss ihn beschützen.

Doch zuerst gibt es noch dringlichere Angelegenheiten. Zum einen ist da die Camarilla, die immer noch eine Bedrohung darstellt, auch wenn Jacza ihnen versichert, dass sie es nicht wagen werden, hier aufzutauchen. Aber Alex merkt an, dass sie sich auch nicht für immer in der ehemaligen Kirche verbergen können. Zum anderen sind ihnen die Vampire des VitaeSuctio auf den Fersen – jetzt vielleicht noch mehr, da sie über Informationen verfügen, nach denen ihre Erzeuger*innen suchen!

Ein Heim

Dankbar nehmen die Drei das Angebot an, bei den Köpenickern zu bleiben. Jacza lässt Maxwell Ldescu eine Nachricht zukommen, dass Annie nach ihrer Recherche hierher kommen soll. Lina ist ganz aus dem Häuschen, vor allem, als sie sieht, wie Raine sich in eine Fledermaus verwandelt! Laut Jacza können sie das auch lernen, und er zeigt ihnen, wie er seine eigenen Hände in gefährliche Pranken mit Krallen verwandelt!

So haben sie nun einen sicheren Unterschlupf, eine Basis, von der aus sie ihre nächsten Schritte planen können. Irgendwo da draußen lauern nicht nur ihre Erzeuger*innen, sondern auch eine uralte Vampirin, deren Aufwachen das Ende der Vampire von Berlin bedeuten könnte. Ein Sturm braut sich in der Nacht zusammen, und sie sind mitten in seinem Auge …


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